Mehrere Domains, eine Website: so bleibt SEO sauber

Aktualisiert: 5 Min. Lesezeit Redaktion SEO-Trick
Kurz gesagt

Mehrere Domains für eine Website sind kein SEO-Problem, solange nur eine davon Inhalte ausliefert. Alle anderen leiten per 301 auf diese Hauptdomain weiter. Dann indexiert Google nur eine Version, und Tippfehler- oder Länderdomains fangen Besucher ab. Problematisch wird es erst, wenn mehrere Domains denselben Inhalt parallel zeigen oder als Brückenseiten gebaut sind.

Fast jedes Unternehmen, das ich betreue, besitzt mehr Domains als Websites. Die .de, die .com, eine Variante mit Bindestrich, dazu zwei Tippfehler und die Domain der alten Firmierung. Mehrere Domains für eine Website zu haben ist völlig normal. Ärger gibt es nur, wenn alle gleichzeitig dieselbe Seite ausliefern, weil der Hoster sie bequem als „Alias“ eingerichtet hat.

Mehrere Domains auf eine Website: wo das Problem liegt

Google indexiert URLs, keine Firmen. Liefert beispiel.de/kontakt/ dieselbe Seite aus wie beispiel.com/kontakt/ und beispiel-shop.de/kontakt/, sieht Google drei Duplikate. In der Doku zur Kanonisierung beschreibt Google, dass es aus solchen Gruppen selbst eine kanonische URL wählt. Bestrafung gibt es dafür nicht. Du verlierst nur die Kontrolle darüber, welche Domain in den Suchergebnissen steht, und Backlinks verteilen sich auf mehrere Adressen.

Die saubere Lösung ist eine Hauptdomain. Alle anderen antworten mit 301 und zeigen dorthin. Eine Weiterleitung ist das stärkste Signal, das du Google für die Wahl der kanonischen URL geben kannst.

Alias oder Weiterleitung: der Unterschied im Statuscode

Viele Hoster bieten an, eine weitere Domain „auf das gleiche Verzeichnis“ zu legen. Das ist bequem und SEO-technisch die schlechteste Variante. Ein schneller Test zeigt, was eingerichtet ist:

curl -sI https://beispiel-shop.de/ | head -n 3

Kommt HTTP/2 200, liefert die Zweitdomain die Website selbst aus. Kommt das hier, ist alles richtig:

HTTP/1.1 301 Moved Permanently
Server: nginx
Location: https://beispiel.de/
EinrichtungStatusWas Google siehtBewertung
Alias auf gleiches Verzeichnis200zwei Kopien derselben Websitevermeiden
Frame-Weiterleitung (Domain-Maskierung)200leere Seite mit Framevermeiden
302 auf die Hauptdomain302vorübergehender Umzugnur temporär
301 auf die Hauptdomain301Zweitdomain gehört zur Hauptdomainrichtig

Frame-Weiterleitungen, bei denen die Adressleiste die Zweitdomain zeigt, bieten manche Registrare immer noch an. Google sieht dabei eine Seite ohne eigenen Inhalt. Für SEO bringt das nichts.

Zweitdomains per 301 weiterleiten

Am einfachsten sammelst du alle Zweitdomains in einem einzigen nginx-Block. Die Hauptdomain bekommt ihren eigenen Block und liefert die Website aus:

server {
    listen 80;
    listen [::]:80;
    listen 443 ssl;
    listen [::]:443 ssl;
    server_name beispiel.com www.beispiel.com beispiel-shop.de www.beispiel-shop.de beispeil.de;

    ssl_certificate     /etc/letsencrypt/live/beispiel-zweitdomains/fullchain.pem;
    ssl_certificate_key /etc/letsencrypt/live/beispiel-zweitdomains/privkey.pem;

    return 301 https://beispiel.de$request_uri;
}

Das Zertifikat muss alle Namen aus server_name enthalten, sonst bricht der Aufruf per HTTPS vor der Weiterleitung ab. Mit certbot geht das in einem Rutsch, indem du jeden Namen mit -d übergibst. Wer bei Cloudflare ist, kann alle Zweitdomains auch dort weiterleiten, ohne dass ein Server sie je sieht. Wie die Redirect Rule aussieht, steht im Ratgeber zur 301-Weiterleitung.

Leitest du Zweitdomains mit Pfad weiter ($request_uri), funktioniert auch ein alter Backlink auf beispiel-shop.de/produkte/ noch, sofern die Struktur gleich ist. Hatte die Zweitdomain nie eine eigene Website, ist das egal, dann reicht die Startseite als Ziel.

Tippfehler-Domains und Markenschutz

Der häufigste legitime Grund für mehrere Domains: Leute vertippen sich, und Konkurrenten oder Domainparker sollen die Varianten nicht bekommen. Für ein kleines Unternehmen sind das meist zwei bis fünf Domains:

  • die .com zur .de (oder umgekehrt)
  • die Variante mit oder ohne Bindestrich
  • ein bis zwei naheliegende Tippfehler
  • bei Umlauten die Schreibweise mit ae/oe/ue oder die IDN-Variante
  • die alte Firmendomain nach einer Umbenennung

Eine .com liegt bei 14,99 € im Jahr, eine .de bei 2,99 €. Ob sich das lohnt, ist eine Frage des Markenwerts, nicht des Rankings. Bei Bindestrich-Varianten und Tippfehlern bin ich pragmatisch: die eine, die du selbst schon mal falsch geschrieben hast, reicht meistens. Welche Varianten noch frei sind, kannst du in der Domain-Suche von betadomain für alle Endungen auf einmal abfragen.

Keyword-Domains als Zubringer: lohnt sich das noch?

Eine alte Idee: Man kauft kuechen-hamburg.de, kuechenstudio-hamburg.de und einbaukuechen-hamburg.de und leitet alle auf die Firmenwebsite. Für das Ranking der Hauptdomain bringt das nichts, solange die Zubringer keine eigenen Links haben. Dass ein Keyword im Namen einer weitergeleiteten Domain dem Ziel hilft, hat Google nie bestätigt, und ich habe es in der Praxis auch nie beobachtet. Warum Keyword-Domains generell überschätzt werden, steht im Artikel zur Keyword-Domain.

Gefährlich wird es, wenn die Zubringer eigene Mini-Seiten mit leicht umgeschriebenem Text bekommen. Das fällt unter die Spam-Richtlinien zu Brückenseiten (Doorway Pages): viele ähnliche Seiten oder Domains, deren einziger Zweck ist, Suchende auf ein Ziel zu schleusen. Wenn eine Zweitdomain eigenen Inhalt hat, dann bitte echten, für eine eigene Zielgruppe. Sonst 301.

Sinnvoll ist eine Keyword-Domain als Weiterleitung für Offline-Werbung. „kuechen-hamburg.de“ auf einem Lieferwagen merkt man sich besser als „mueller-holzbau.de/kuechen/“. Dann zeigt sie per 301 direkt auf die passende Unterseite.

Länderdomains: eigene Website oder Weiterleitung?

Bei .de, .at und .ch stellt sich die Frage häufiger. Wenn du für Österreich und die Schweiz keine eigenen Inhalte hast (andere Preise, andere Versandbedingungen, andere Ansprechpartner), leite die .at-Domain und die .ch auf die .de weiter. Drei identische Kopien mit hreflang-Tags zu pflegen, nur weil die Sprache gleich ist, macht Arbeit und bringt wenig.

Hast du echte Länderinhalte, sind eigene Länderdomains eine gute Wahl, weil Google ccTLDs als starkes Signal für das Zielland liest. Dann bekommt jede Domain eigenen Inhalt und hreflang-Verweise auf die anderen. Was dafür und dagegen spricht, steht im Vergleich .de oder .com. Alternativ gehen Verzeichnisse wie /at/ auf einer Domain, das Für und Wider dazu im Artikel zu Subdomain oder Verzeichnis.

Was mit E-Mail und Zweitdomains passiert

Ein Nebeneffekt, an den beim Weiterleiten selten jemand denkt: Eine Zweitdomain, die nur per HTTP weiterleitet, kann trotzdem E-Mails empfangen oder versenden, wenn MX-Einträge gesetzt sind. Wird sie nicht für Mail genutzt, lohnt ein sogenannter Null-MX-Eintrag nach RFC 7505 und ein SPF-Eintrag, der Versand ausschließt:

beispiel-shop.de.   3600  IN  MX   0 .
beispiel-shop.de.   3600  IN  TXT  "v=spf1 -all"

Das hat mit Ranking nichts zu tun, verhindert aber, dass Spammer deine Tippfehler-Domain als Absender missbrauchen. Für die Hauptdomain gilt das natürlich nicht, dort stehen deine echten Mail-Einträge.

Checkliste für mehrere Domains

  1. Eine Hauptdomain festlegen, inklusive www oder ohne www.
  2. Alle anderen Domains mit curl -sI prüfen. Jede muss 301 liefern, nicht 200 und nicht 302.
  3. HTTPS-Zertifikate für alle Zweitdomains einrichten, damit auch https://-Aufrufe ankommen.
  4. Nur die Hauptdomain in Sitemap, Canonicals und interne Links.
  5. Zweitdomains mit Vorgeschichte in der Search Console verifizieren.
  6. Alle Domains auf automatische Verlängerung stellen und den Ablauf im Blick behalten.

Punkt sechs ist der, der am häufigsten schiefgeht. Läuft eine Zweitdomain aus, kann sie jemand anderes registrieren und deine Tippfehler-Besucher abgreifen. Wenn du mehrere Domains zentral und mit gleichbleibenden Kosten verwalten willst, hilft ein Blick in die aktuelle Preisliste, bevor du dich für die Varianten entscheidest.

Domain gefunden? Prüfen und registrieren kannst du sie direkt bei betadomain – Jahrespreis ab 2,99 €.

Häufige Fragen

Bringen zusätzliche Domains mehr Rankings?

Nein. Eine weitergeleitete Domain rankt nicht selbst, sie gibt höchstens die Signale weiter, die sie mitbringt. Eine frisch registrierte Zweitdomain bringt keine. Der Nutzen liegt woanders: Markenschutz, Tippfehler abfangen, kürzere Adresse für Print.

Ist ein Domain-Alias beim Hoster Duplicate Content?

Wenn der Alias dieselbe Website unter einer zweiten Adresse mit Status 200 ausliefert, ja. Google wählt dann selbst eine kanonische Version aus, und das muss nicht deine Wunschdomain sein. Stell den Alias auf eine 301-Weiterleitung um.

Kann ich verschiedene Domains auf Unterseiten weiterleiten?

Ja, das ist sogar sinnvoll. Eine Domain wie kuechenplanung-hamburg.de kann per 301 direkt auf die passende Unterseite der Hauptdomain zeigen. Wichtig ist nur, dass das Ziel inhaltlich passt und nicht jede Domain stumpf auf die Startseite geht.

Muss ich weitergeleitete Domains in der Search Console anmelden?

Nicht zwingend. Sinnvoll ist es bei Domains, die früher eine eigene Website hatten und Backlinks mitbringen. Dort siehst du, ob Google die Weiterleitung erkennt, und kannst bei einem echten Umzug die Adressänderung nutzen.