Alte Domain kaufen: Was Backlinks wirklich noch bringen

Aktualisiert: 5 Min. Lesezeit Redaktion SEO-Trick
Kurz gesagt

Eine alte Domain zu kaufen ist erlaubt und kann sinnvoll sein, wenn du das Thema der früheren Website fortführst oder den Namen als Marke willst. Kaufst du sie nur wegen der Backlinks, um fremde Inhalte darauf zu ranken, verstößt das seit März 2024 gegen Googles Spam-Richtlinie zu Expired Domain Abuse. Prüfe vorher Historie, Linkprofil und mögliche manuelle Maßnahmen.

Es gibt eine ganze Branche, die abgelaufene Domains mit „starken Backlinks“ verkauft, oft mit Kennzahlen aus SEO-Tools und Preisen weit über dem Registrierungspreis. Wer eine alte Domain kaufen will, sollte wissen, dass Google genau diese Praxis seit März 2024 ausdrücklich als Spam einstuft. Das heißt nicht, dass jeder Kauf einer gebrauchten Domain problematisch ist. Es kommt auf den Zweck an.

Alte Domain kaufen: Was Google seit 2024 sagt

Im März 2024 hat Google seine Spam-Richtlinien um einen Abschnitt zu „Expired domain abuse“ erweitert. Gemeint ist der Fall, dass eine abgelaufene Domain gekauft und vor allem deshalb umgenutzt wird, um Rankings zu manipulieren. Typisch sind Inhalte mit wenig Wert für Nutzer, die vom Ruf der alten Domain profitieren sollen.

Google nennt drei Beispiele:

  • Affiliate-Inhalte auf der Domain einer früheren Behörde
  • Kommerzielle Medizinprodukte auf der Domain einer früheren gemeinnützigen Gesundheitsorganisation
  • Casino-Inhalte auf der früheren Domain einer Grundschule

Allen Fällen gemeinsam: Die neue Nutzung hat mit der alten nichts zu tun, und der einzige Grund für den Kauf ist die Vorgeschichte der Domain. Seiten, die so vorgehen, können manuelle Maßnahmen bekommen oder algorithmisch abgewertet werden.

Wann der Kauf einer gebrauchten Domain legitim ist

Die Richtlinie richtet sich gegen Missbrauch, nicht gegen den Domainhandel. Es gibt gute Gründe, eine alte Domain zu übernehmen:

  1. Der Name passt zu deiner Marke. Du heißt „Lindner Gartenbau“, und lindner-gartenbau.de wurde vom früheren Inhaber aufgegeben. Dass die Domain schon Links hat, ist dann ein Nebeneffekt.
  2. Du führst das Projekt fort. Ein Hobbyist gibt sein Fachforum für Aquaristik auf, du übernimmst Domain und Inhalte und betreibst es weiter. Die Links bleiben thematisch passend.
  3. Du kaufst einen Konkurrenten oder ein Projekt mit Website. Dann leitest du die alten URLs per 301 auf passende Seiten deiner eigenen Website weiter, wie bei jedem Umzug. Das beschreibt die Anleitung zur 301-Weiterleitung.
  4. Kurze, gute Namen sind vergeben. Für Gattungsbegriffe auf .de gibt es fast nur noch den Zweitmarkt. Siehe auch Keyword-Domain.

Problematisch wird es, sobald die Domain einer ehemaligen Schule plötzlich Kreditvergleiche anbietet.

Selbst wenn du die Spam-Frage ausklammerst, ist der Wert der Backlinks unsicher. Google hat öffentlich gesagt, dass das Alter einer Domain allein nichts bringt. Und Links, deren Kontext nicht mehr zur Zielseite passt, werden nach allem, was Google über seine Link-Bewertung kommuniziert, nicht so gewertet wie zuvor.

Ich halte den Kauf einer Domain nur wegen ihrer Backlinks deshalb für eine schlechte Wette. Du zahlst einen Aufpreis für einen Effekt, der im besten Fall schwach ausfällt und im schlechtesten Fall eine manuelle Maßnahme nach sich zieht. Das Geld ist in eigenen Inhalten besser investiert.

Ein weiterer Punkt wird beim Kauf gern übersehen: Kennzahlen wie „Domain Authority“ oder „Domain Rating“ stammen von SEO-Tool-Anbietern, nicht von Google. Sie schätzen die Stärke eines Linkprofils nach eigenen Formeln. Google nutzt diese Werte nicht. Ein Verkäufer, der mit einer hohen Zahl wirbt, verkauft dir also eine Schätzung eines Drittanbieters, keinen Rankingfaktor.

Domain-Historie prüfen: Checkliste vor dem Kauf

Wenn du eine gebrauchte Domain übernehmen willst, prüfe Folgendes, bevor du bezahlst:

  • Internet Archive: Unter web.archive.org siehst du, was früher auf der Domain lief. Wechselnde Themen, Spam-Seiten oder eine Phase als Linkfarm sind Warnzeichen.
  • Linkprofil: Ein Backlink-Tool zeigt, woher die Links kommen. Viele Links aus Linknetzwerken, Kommentarspam oder fremdsprachigen Gästebüchern sind ein Problem.
  • Indexierung: Eine Suche nach site:domain.de zeigt, ob noch Seiten im Index sind und was dort steht.
  • Markenrecht: Enthält der Name eine fremde Marke, kann das nach dem Markengesetz (MarkenG) Ärger bringen, egal wie alt die Domain ist.
  • Whois und Status: Bei .de-Domains zeigt die DENIC-Abfrage, ob die Domain registriert ist. Persönliche Daten des Inhabers gibt DENIC seit der DSGVO nicht mehr öffentlich heraus.

Nach dem Kauf kommt der wichtigste Schritt: Verifiziere die Domain in der Google Search Console und schau unter „Sicherheit und manuelle Maßnahmen“ nach. Google rät in seiner Dokumentation zu Website-Umzügen ausdrücklich, bei frisch gekauften Domains auf manuelle Maßnahmen und alte URL-Entfernungsanträge des Vorbesitzers zu prüfen. Liegt eine Maßnahme vor, kannst du nach der Bereinigung einen Antrag auf erneute Überprüfung stellen.

Expired Domain kaufen: Wie Domains wieder frei werden

Bei generischen Endungen wie .com ist der Ablauf über Registry-Verträge und ICANN-Regeln festgelegt. Wer eine bestimmte abgelaufene Domain im Blick hat, sollte die Phasen kennen, weil viele „Expired“-Angebote in Wahrheit noch in der Wiederherstellungsfrist stecken.

Phase bei .comDauerWer kann zugreifen
Schonfrist nach Ablauf (Auto-Renew Grace)je nach Registrar, bis zu 45 TageBisheriger Inhaber, zum normalen Preis oder mit Aufschlag
Redemption Grace Period30 TageBisheriger Inhaber, gegen Wiederherstellungsgebühr
Pending Delete5 TageNiemand
FreigabedanachJeder, wer zuerst registriert

Bei .de gelten eigene Regeln der DENIC, die nicht deckungsgleich mit denen der ICANN sind. Wenn du auf eine bestimmte .de-Domain wartest, frag den Registrar nach dem genauen Status, statt auf Backorder-Versprechen von Drittanbietern zu setzen.

Umnutzen ohne Risiko: So würde ich vorgehen

Wenn du eine alte Domain gekauft hast und die neue Website thematisch passt, behandle sie wie ein eigenes Projekt. Baue echte Inhalte auf, die zur bisherigen Nutzung passen. Leite wichtige alte URLs, die nachweislich Links haben, per 301 auf thematisch passende neue Seiten weiter. Nicht alles pauschal auf die Startseite.

Willst du die gekaufte Domain dagegen nur als zusätzlichen Zugang zu deiner bestehenden Website nutzen, leitest du sie komplett um. Was dabei zu beachten ist, steht unter mehrere Domains, eine Website. Einen Überblick über alle Faktoren, die an der Domain hängen, liefert der Artikel Domain SEO.

Oft ist der einfachere Weg, gar keine gebrauchte Domain zu kaufen. Ein frischer Name ohne Vorgeschichte hat keine Altlasten. Bei betadomain kannst du freie Namen finden und eine .de-Domain neu registrieren für 2,99 € im Jahr. Wenn du viele Kandidaten automatisiert prüfen willst, hilft die Domain-API für Entwickler.

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Häufige Fragen

Vererben alte Domains ihre Backlinks an die neue Website?

Die Links bleiben bestehen, aber ob Google sie noch wertet, hängt vom Zusammenhang ab. Passt die neue Website thematisch nicht zur alten, wirken die Links oft kaum noch. Wird die Domain nur wegen der Links umgenutzt, ist das ein Fall für Googles Spam-Richtlinien.

Woran erkenne ich, ob eine Domain eine Vorgeschichte hat?

Über das Internet Archive (web.archive.org) siehst du frühere Versionen der Website. Nach dem Kauf zeigt die Google Search Console unter „Manuelle Maßnahmen“, ob eine Abstrafung besteht. Ein Linkanalyse-Tool zeigt, woher die Backlinks stammen.

Was passiert mit einer .com-Domain, wenn sie abläuft?

Nach dem Ablauf folgt zuerst eine Schonfrist beim Registrar, dann eine Redemption Grace Period von 30 Tagen, in der der bisherige Inhaber gegen Gebühr wiederherstellen kann. Danach liegt die Domain fünf Tage im Status Pending Delete und wird anschließend freigegeben.

Ist der Kauf einer alten Domain illegal?

Nein. Domains werden ganz normal gehandelt. Probleme entstehen bei Markenrechten, wenn der Name eine geschützte Marke enthält, und bei Google, wenn die Domain zur Rankingmanipulation umgenutzt wird.