Domainwechsel SEO: Umzug ohne Rankingverlust

Aktualisiert: 5 Min. Lesezeit Redaktion SEO-Trick
Kurz gesagt

Für einen Domainwechsel ohne SEO-Verlust ordnest du jeder alten URL eine neue zu, richtest seitengenaue 301-Weiterleitungen ein, verifizierst beide Domains in der Search Console und reichst dort die Adressänderung ein. Die Weiterleitungen bleiben mindestens ein Jahr bestehen, die alte Domain behältst du länger. Rankings schwanken einige Wochen und pendeln sich dann ein.

Die Horrorgeschichten über Domainwechsel haben fast immer dieselbe Ursache. Jemand hat die alte Domain pauschal auf die neue Startseite zeigen lassen, den alten Server abgeschaltet und gehofft, dass Google den Rest erledigt. Google hat den Rest erledigt, indem es die meisten alten Seiten als verschwunden behandelt hat. Ein Domainwechsel mit sauberem SEO-Handwerk ist dagegen langweilig: Die Rankings wackeln ein paar Wochen und landen dann wieder dort, wo sie waren.

Domainwechsel und SEO: Was Google offiziell empfiehlt

Google beschreibt den Ablauf in der Search-Central-Dokumentation zu „Website-Umzügen mit URL-Änderungen“. Die wichtigsten Punkte daraus:

  • Serverseitige, permanente Weiterleitungen verwenden, also 301 oder 308. Clientseitige Weiterleitungen nur als letzte Option.
  • Jede alte URL direkt auf ihr Ziel leiten. Googlebot folgt bis zu zehn Sprüngen, empfohlen sind aber direkte Weiterleitungen, höchstens rund drei.
  • Nicht viele alte URLs auf eine unpassende Seite wie die Startseite leiten.
  • Weiterleitungen mindestens ein Jahr bestehen lassen. Aus Nutzersicht lohnt es sich, sie dauerhaft zu behalten.
  • Kleine und mittlere Websites ziehen alle URLs auf einmal um, große Websites eventuell in Abschnitten.

Ein Satz aus der Dokumentation räumt mit einem verbreiteten Mythos auf: 301 und andere permanente Weiterleitungen verursachen keinen PageRank-Verlust. Wenn Sichtbarkeit verloren geht, liegt das an Fehlern im Umzug, nicht an der Weiterleitung selbst.

Schritt 1: Die Domainumzug-Checkliste beginnt mit dem URL-Mapping

Bevor du irgendetwas umstellst, brauchst du eine Liste aller alten URLs und ihrer neuen Ziele. Quellen dafür sind die XML-Sitemap, der Leistungsbericht der Search Console, die Seiten aus deinem Analytics-Tool und ein Crawl der alten Domain.

Bleibt die URL-Struktur gleich und nur der Domainname ändert sich, ist das Mapping trivial: alte-domain.de/pfad/ wird zu neue-domain.de/pfad/. Ändern sich auch Pfade, brauchst du eine echte Zuordnungstabelle.

Alte URLNeue URLStatus
alte-domain.de/neue-domain.de/301
alte-domain.de/leistungen/webdesign/neue-domain.de/leistungen/webdesign/301
alte-domain.de/blog/2019/aktion-sommer/(keine)410
alte-domain.de/kontakt.phpneue-domain.de/kontakt/301

Speichere die alte Sitemap. Du brauchst sie später zum Testen.

Schritt 2: Die neue Domain vorbereiten

Die neue Website muss vollständig laufen, bevor die erste Weiterleitung aktiv wird. Dazu gehören ein gültiges TLS-Zertifikat, Canonical-Tags, die auf die neue Domain zeigen, hreflang-Angaben mit neuen URLs und interne Links ohne Verweise auf die alte Domain.

Verifiziere in der Google Search Console beide Domains. Am einfachsten geht das als Domain-Property über einen DNS-TXT-Eintrag, weil damit alle Varianten mit und ohne www sowie HTTP und HTTPS abgedeckt sind. Wenn du die Domain gerade erst gekauft hast und sie eine Vorgeschichte hat, prüfe laut Google auf manuelle Maßnahmen und alte URL-Entfernungen des Vorbesitzers. Mehr dazu unter alte Domain kaufen.

Schritt 3: Alte Domain auf neue weiterleiten

Wenn die Pfade gleich bleiben, reicht eine einzige Regel, die den Pfad mitnimmt. Drei funktionierende Varianten:

nginx, auf dem Server der alten Domain:

server {
    listen 80;
    listen 443 ssl;
    server_name alte-domain.de www.alte-domain.de;

    ssl_certificate     /etc/letsencrypt/live/alte-domain.de/fullchain.pem;
    ssl_certificate_key /etc/letsencrypt/live/alte-domain.de/privkey.pem;

    return 301 https://neue-domain.de$request_uri;
}

$request_uri enthält Pfad und Query-String, aus /shop/artikel?id=4 wird also dieselbe Adresse auf der neuen Domain. Das Zertifikat für die alte Domain brauchst du weiterhin, sonst sehen Besucher über HTTPS-Links eine Zertifikatswarnung statt der Weiterleitung.

Apache, in der .htaccess im Document Root der alten Domain:

RewriteEngine On
RewriteCond %{HTTP_HOST} ^(www\.)?alte-domain\.de$ [NC]
RewriteRule ^(.*)$ https://neue-domain.de/$1 [R=301,L]

Den Query-String hängt Apache automatisch an, solange das Ziel keinen eigenen definiert.

Cloudflare, wenn die alte Domain über Cloudflare läuft: Lege unter Rules eine Redirect Rule (Single Redirect) an und wähle einen eigenen Filterausdruck:

(http.host in {"alte-domain.de" "www.alte-domain.de"})

Als Ziel wählst du „Dynamic“ mit dem Ausdruck concat("https://neue-domain.de", http.request.uri.path), Statuscode 301 und aktivierst „Preserve query string“. Die DNS-Einträge der alten Domain müssen dabei über Cloudflare laufen (Proxy aktiv, orange Wolke), sonst greift die Regel nie. Gibt es keinen Server mehr, genügt ein A-Eintrag auf 192.0.2.1 mit aktivem Proxy.

Ändern sich auch Pfade, brauchst du zusätzlich eine Zuordnung, in nginx etwa über einen map-Block. Details zu Statuscodes und Ketten stehen im Ratgeber zur 301-Weiterleitung.

Schritt 4: Testen, bevor Google es merkt

Prüfe eine Stichprobe aus der alten Sitemap:

curl -sI https://alte-domain.de/leistungen/webdesign/ | grep -iE "^(HTTP|location)"
HTTP/1.1 301 Moved Permanently
Location: https://neue-domain.de/leistungen/webdesign/

Genau ein 301, und das Ziel liefert 200. Für mehr als eine Handvoll URLs lohnt eine kleine Schleife:

while read -r url; do
  printf '%s -> ' "$url"
  curl -s -o /dev/null -L -w '%{http_code} %{url_effective} (%{num_redirects} Sprünge)\n' "$url"
done < alte-urls.txt

Alles mit mehr als einem Sprung oder einem anderen Endstatus als 200 ist ein Fehler, den du vor dem nächsten Schritt behebst. Typische Ursache für zwei Sprünge: Die Weiterleitung zeigt auf http:// oder auf die www-Variante, und erst dort folgt die zweite Umleitung. Welche Variante kanonisch ist, klärt der Artikel www oder ohne www.

Schritt 5: Adressänderung in der Search Console

Jetzt sagst du Google offiziell Bescheid. In der Property der alten Domain findest du unter Einstellungen das Tool „Adressänderung“. Es prüft, ob du Inhaber beider Properties bist und ob die Startseite und einige weitere Seiten per 301 weiterleiten. Kritische Fehler blockieren den Antrag.

Nach dem Absenden zeigt die Search Console den Umzug 180 Tage lang als laufend an. In dieser Zeit leitet Google Signale bevorzugt von der alten auf die neue Domain. Die Einzelheiten, inklusive Rückgängigmachen, beschreibt die Anleitung zur Search-Console-Adressänderung.

Schritt 6: Sitemaps tauschen und beobachten

Reiche die neue Sitemap in der Property der neuen Domain ein und entferne die alte. Warnungen über weitergeleitete URLs in einer alten Sitemap kannst du laut Google ignorieren. Die neue Sitemap zeigt anfangs null indexierte Seiten, die Zahl steigt in den folgenden Wochen.

Rechne mit erhöhtem Crawling. Google muss jede alte und jede neue URL mindestens einmal abrufen, bevor der Umzug als abgeschlossen gilt. Bei kleinen Shared-Hosting-Paketen kann das spürbar werden.

Wie lange dauert ein Domainumzug?

Google nennt für kleine und mittlere Websites einige Wochen, bis die meisten Seiten umgezogen sind. Große Websites brauchen länger. Schwankungen in dieser Phase sind normal. Bleibt der Traffic nach zwei bis drei Monaten deutlich unter dem alten Niveau, such zuerst nach fehlenden Weiterleitungen und Ketten.

Schritt 7: Die alte Domain nicht aufgeben

Die Weiterleitungen bleiben mindestens ein Jahr, die alte Domain ebenso. Ich würde sie einfach dauerhaft verlängern, denn Backlinks, Visitenkarten und Lesezeichen zeigen noch lange auf die alte Adresse. Wer sie auslaufen lässt, riskiert außerdem, dass jemand anderes sie registriert und von deinem Ruf profitiert. Wie mehrere Domains dauerhaft auf eine Website zeigen, steht unter mehrere Domains, eine Website.

Wenn die neue Domain noch nicht feststeht, kannst du bei betadomain Wunschdomains durchsuchen und eine .de-Adresse registrieren, die 2,99 € im Jahr kostet. Da der Preis bei jeder Verlängerung gleich bleibt, kostet es wenig, die alte Domain parallel weiterzuführen. Die Preise aller Endungen helfen, falls du auf .at, .ch oder .com ausweichen musst.

Schritt für Schritt

  1. URL-Mapping erstellenExportiere alle indexierbaren URLs der alten Domain aus Sitemap, Search Console und Analytics und ordne jeder eine neue URL zu. Seiten ohne Nachfolger liefern 404 oder 410.
  2. Neue Domain vorbereitenRichte die neue Website mit HTTPS ein, stelle Canonicals, hreflang und interne Links auf die neue Domain um und verifiziere alte und neue Domain in der Search Console.
  3. 301-Weiterleitungen aktivierenLeite jede alte URL direkt und serverseitig per 301 auf ihr neues Gegenstück weiter. Keine Ketten, nicht alles auf die Startseite.
  4. Weiterleitungen testenPrüfe eine große Stichprobe alter URLs mit curl oder einem Crawler. Jede sollte genau einen 301 liefern und auf einer Seite mit Status 200 landen.
  5. Adressänderung einreichenÖffne in der Search Console die Property der alten Domain und starte unter Einstellungen die Adressänderung. Wiederhole das für jede verifizierte Variante wie www.
  6. Sitemaps tauschen und beobachtenReiche die neue Sitemap ein, entferne die alte und beobachte Indexierung und Traffic beider Domains in den folgenden Wochen.
  7. Alte Domain behaltenLass die Weiterleitungen mindestens ein Jahr aktiv und verlängere die alte Domain weiter, damit Links und Lesezeichen funktionieren.

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Häufige Fragen

Wie lange dauert ein Domainumzug bei Google?

Laut Google dauert es bei kleinen und mittleren Websites einige Wochen, bis die meisten Seiten unter der neuen Adresse erscheinen. Große Websites brauchen länger. In dieser Zeit schwanken die Rankings, danach stabilisieren sie sich.

Verliere ich durch 301-Weiterleitungen PageRank?

Nein. Google schreibt in der Dokumentation zu Website-Umzügen ausdrücklich, dass 301 und andere permanente Weiterleitungen keinen PageRank-Verlust verursachen. Verluste beim Umzug kommen von fehlenden Weiterleitungen, Ketten oder gelöschten Seiten.

Kann ich die alte Domain nach dem Umzug kündigen?

Nicht so bald. Google empfiehlt, Weiterleitungen mindestens ein Jahr aktiv zu lassen und die alte Domain mindestens so lange zu behalten. Externe Links zeigen oft noch Jahre auf die alte Adresse, deshalb verlängern viele die Domain dauerhaft.

Sollte ich beim Domainwechsel gleich das Design ändern?

Besser nicht. Wenn Domain, URL-Struktur und Inhalte gleichzeitig wechseln, weißt du hinterher nicht, welche Änderung einen Einbruch verursacht hat. Erst umziehen, dann umbauen.